Die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) verändert grundlegend, wie Produkte in Europa entwickelt, produziert und vermarktet werden – entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sie bietet Unternehmen über Compliance hinausgehend strategische Chancen für Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit.

Die ESPR ersetzt die bisherige Ökodesign-Richtlinie und weitet den Fokus von energieverbrauchsrelevanten Produkten auf nahezu alle physischen Produkte inklusive Komponenten und Zwischenprodukten aus.

Als zentrales Instrument des European Green Deal verankert sie Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft verbindlich im Produktdesign. Sonderregelungen, z. B. für Lebens- oder Arzneimittel, bilde die Ausnahme.


Anforderungen und Pflichten für Unternehmen

Die ESPR definiert einen Rahmen, der über delegierte Rechtsakte produktspezifisch konkretisiert wird.

Zentrale Anforderungen betreffen:

  • Produktauslegung: Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteil, Material- und Energieeffizienz
  • Produktinformationen: Transparente Nachhaltigkeitsangaben, technische Dokumentation, Konformitätsbewertung
  • Produktmanagement: Einschränkung der Vernichtung unverkaufter Verbraucherprodukte

Alle Wirtschaftsakteure – vom Hersteller bis zum Händler – erhalten klar definierte Pflichten zu Konformität, Rückverfolgbarkeit und Marktüberwachung.


Der Digitale Produktpass (DPP) als digitale Identitätskarte

Der DPP macht Nachhaltigkeitsanforderungen mess- und überprüfbar. Er fungiert als digitale Identitätskarte mit Daten u. a. zu:

  • Hersteller & Materialzusammensetzung
  • CO₂-Fußabdruck
  • Reparierbarkeit & Rezyklatanteil
  • Entsorgung & Recycling


Produkt-, Daten- und IT-Architektur wachsen damit untrennbar zusammen. Ein solides Datenmodell muss die Grundlage für einen belastbaren Produktpass bilden.


Zeitplan & Prioritäten
Die Verordnung gilt seit Juli 2024 unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Der Arbeitsplan 2025–2030 priorisiert u. a.:

  • Stahl & Aluminium
  • Textilien
  • Möbel
  • Reifen


Weitere Anforderungen zu Reparierbarkeit, Rezyklatanteil und Recyclingfähigkeit werden folgen. Für betroffene Branchen ist ESPR-Readiness kein „Nice-to-have“ mehr.


Unsere Einschätzung aus der Beratung
Die ESPR ist kein reines Umwelt- oder Rechtsprojekt. Sie ist ein Transformationsprogramm über F&E, Einkauf, Produktion, IT und Vertrieb hinweg.

Unternehmen sollten jetzt:

  • ihr Portfolio systematisch screenen
  • Ökodesign-Kriterien in Entwicklungsprozesse integrieren
  • Daten- und IT-Strukturen für den DPP aufbauen
  • klare Verantwortlichkeiten etablieren


Wer die ESPR früh strategisch nutzt, verschafft sich Vorteile – in der öffentlichen Beschaffung, bei anspruchsvollen Kund:innen und in Märkten, die sich an EU-Standards orientieren werden.

Regulatorischer Druck oder Innovationschance?
Unsere Erfahrung: Es kommt darauf an, wie frühzeitig man beginnt.

Autor: Joe Beeg
Tags:  Nachhaltigkeit


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