ICIS rechnet bis 2023 mit EUA-Preisen von 40 Euro/t, bis 2030 wieder bei 20 Euro/t.

Gastbeitrag von Marcus Ferdinand, ICIS. ICIS ist ein europaweit führender Anbieter von Marktinformationen u. -analyse für Energie- und Kohlenstoffmärkte.

Seit Januar greift die Marktstabilitätsreserve (MSR), die das Auktionsvolumen im EU-ETS deutlich verringert. Nach Berechnungen des EU-ETS-Modells von ICIS wird sich die Auktionsmenge im Jahr 2019 um 395 Mio. EUA reduzieren. Dadurch entstünde für 2019 ein Defizit von ca. 250 Mio. EUA und somit eine preissteigernde („bullishe“) Grundtendenz im Markt, so die CO2-Experten des Analyseunternehmens. Dies wirkt sich auf die Handelsstrategien aus, z. B. bei der Absicherung („Hedging“) von Terminverkäufen am Strommarkt. Das EUA-Defizit müsste durch Verkäufe aus der Industrie oder durch Emissionsminderungsmaßnahmen, wie z. B. dem kurzfristigen Wechsel von Kohle- zu Gasverstromung („Fuel Switch“) geschlossen werden.

Der preissteigernde MSR-Effekt war bereits vorab im Jahr 2018 zu spüren, als die EUA-Preise um mehr als 200% anstiegen. Dies veranlasste einige neue Marktteilnehmer aus dem Finanzsektor, aktiv zu werden und in Erwartung steigender Preise EUA zu kaufen. Das ICIS-Analysten-Team geht davon aus, dass sich diese aufwärts tendierende Preisbewegung zunächst fortsetzt, wenn auch durch die bereits 2018 getätigten EUA-Zukäufe wahrscheinlich abgeschwächt.

Allerdings rechnet ICIS im ersten und ggf. auch im zweiten Quartal 2019 mit einem äußerst nervösen Markt und einer hohen Volatilität, insbesondere aufgrund der Unsicherheit in Hinblick auf Umsetzung und Zeitleiste für den Brexit. Auf das gesamte Jahr gesehen wird ein Schlüsselfaktor für die EUA-Preisentwicklung die verfügbare Fuel-Switch-Kapazität sein.

Die ICIS-Analysten rechnen für das Ende des 1. Quartals 2019 mit einem EUA-Preis von 23,20 Euro/t, der bis zum Ende des Jahres auf 26,70 Euro/t ansteigen sollte.

Als Abwärtsrisiko kann es durch die seit Ende 2018 vorherrschende, negative Börsenstimmung in den Rohstoff- und Finanzmärkte, die sich durch die Spannungen im internationalen Handels- und Wirtschaftsgeflecht noch verschärfen könnte, zu abwärts tendierenden („bearishen“) Preisbewegungen kommen. Eine drohende Rezession des „Wirtschaftsmotors“ Deutschland kann sich auf die gesamte Eurozone auswirken und somit auch den EUA-Preis drücken.

Mittel- bis langfristig wird die MSR das Defizit weiter erhöhen und laut ICIS bis 2023 einen EUA-Preis von ca. 40 Euro/t verursachen. Ab 2024 sollte sich nach Angaben des Analystenhauses mit der regulatorischen Abschwächung der Grenzwerte für die MSR die Marktsituation ändern. In Verbindung mit dann aufgrund hoher CO2-Preise bereits angestoßenen Emissionsminderungsmaßnahmen würden die Preise bis 2030 wieder auf ca. 20 Euro/t sinken.

Autor:  Marcus Ferdinand (ICIS)
Tags:  EU-Emissionshandel


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